Cuno, Heinrich

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Heinrich Cuno
* um 1773 Berlin (D) [?]
31.3.1829 Karlovy Vary (CZ)
Dramatiker, Schauspieler, Theaterdirektor

Absolvierte eine Lehre zum Buchhändler. War Mitglied von Döbbelins und Schantrochs Theatergesellschaft, 1808-10 leitete er eine eigene Gesellschaft. Ist Autor von fast zwanzig Stücken, die größte Popularität erlangte das Stück mit Ritter- und Räuberthematik Die Räuber auf Maria Culm, das bei fahrenden Gesellschaften und volkstümlichen Puppenspielern beliebt war.   

Geschrieben auch Kunow, Kuno, fehlerhaft Friedrich C. Falsch angeführter Geburtsort Pommern. 1804–08 absolvierte er in Leipzig eine Buchhändlerlehre, hier wurde 1804 auch sein erstes bekanntes Stück Vergeltung oder der alte Harfenist herausgegeben. 1808 spielte er in Döbbelins Gesellschaft, 1808–10 leitete er eine eigene Theatergesellschaft, mit der er in Bamberg und Coburg wirkte. 1812 kam er nach Karlsbad, wo er Faktor in der Buchhandlung Zum eisernen Kreuz bei der Witwe J. Franiek wurde. 1815–20 reiste er erneut als Schauspieler, wahrscheinlich war er auch Mitglied der Gesellschaft von G. Schantroch, die in Süd- und Westböhmen wirkte. Danach kehrte er nach Karlsbad zurück und gründete zusammen mit J. Franiek eine Buchhandlung und Buchleihe. Im Mai 1820 begegnete er hier J. W. Goethe, der seine Tätigkeit mit dem achtversigen Gedicht Herren Cuno wertschätzte. Er half ebenfalls T. Schantroch, die Konzession ihres verstorbenen Mannes aufrechtzuerhalten und leitete als stiller Gesellschafter zusammen mit ihr die Sommertheatersaisons, in der Regel von Juni bis Ende August. Nach ihrem Tod (5. 12. 1828) arbeitete er kurzzeitig mit ihrem Schwiegersohn J. Lutz zusammen, der den Familienbetrieb übernahm. Er starb früh an einem Schlaganfall. Er war verheiratet, seine Frau Marie unterrichtete in Karlsbad junge Mädchen in feinen Frauenarbeiten.

Mit Ausnahme von Kleinigkeiten für Zeitschriften schrieb C. ausschließlich für das Theater. Goedeke führt 18 Stücke aus seiner Feder an (er vernachlässigt das erste aus dem Jahre 1804) und eine Redaktion ausländischen Materials für einen Theatertext. Die Basis für C.s dramatischen Erfolg legte der Zeitraum 1813–18. bereits 1813 führten mehrere deutsche Bühnen das „romantische Gemälde aus der Vorzeit“ Die Brautkrone auf, eine Geschichte von einer vergifteten Blumenkrone, die durch ein Versehen von der falschen Person aufgesetzt wird. Bei der breiten Masse erfreute sich das Stück Die Räuber auf Maria Culm oder Die Kraft des Glaubens großer Beliebtheit. Der erste erhaltene Beleg über die Aufführung ist der Theaterzettel vom 20. 8. 1814 (Gesellschaft J. Tazlars in einem nicht genannten, anscheinend westböhmischen Theater), auch wenn die meiste Literatur die Premiere fälschlicherweise für den 13. 4. 1815 anführt, als das Stück im Theater an der Wien aufgeführt wurde. Zur Prager Zensur brachte der Autor den Text persönlich am 4. 7. 1814 und das Stück wurde für Prag mit vielen Streichungen und textlichen Änderungen am 5. 1. 1815 genehmigt. Die hiesige Premiere im Ständetheater fand am 21. 2. 1815 statt, bis zum Lebensende des Autors wurde das Stück hier 2 Mal aufgeführt. Gedruckt erschien der Text 1816 als erste Theaterproduktion C.s im Karlsbader Verlag von J. Franiek. Die Handlung spielt an einem westböhmischen historischen Kultort – Maria Kulm. Im Kreise der deutschen dramatischen Literatur, die ritterliche Inspiration mit romantischen Impulsen des Sturm und Drangs verband, wurde das Stück zum Prototyp des „Volks-Schauspiels“, denn es hatte eine spannende Handlung und barg die Möglichkeit einer reichen Ausstattung. Die Kritik schrieb von ihm als von literarischem Ausschuss, warf ihm Mängel bei der Handlung und Trivialität vor, und die damaligen und späteren Inszenatoren überarbeiteten es stark. Trotzdem blieb das Stück im Repertoire, es tauchte vor allem bei deutschen fahrenden Gesellschaften auf und erschien Ende des 19. Jahrhunderts neu. Die erfolglose Oper Bibiana oder die Räuber auf Maria Kulm wurde auf seiner Basis von J. P. Pixis (1829) komponiert.
C.s verbreitetstes Stück fasste auch auf der tschechischen Bühne Fuß. Kurz nach der Prager Premiere fertigte J. N. Štěpánek die tschechische Übersetzung Loupežníci na Chlumském vrchu (Prem. 8. 9. 1815) an. Unter dem Titel der zweiten Ausgabe Loupežníci na Chlumu wurde es im tschechischen Repertoire des Ständetheaters bis 1851 25 Mal gespielt und trat auch in die tschechische Belletristik ein, wo ihre Aufführung durch tschechische Laienschauspieler oft ein charakteristisches Detail der nationalen Kulturbewegung des 19. Jahrhunderts darstellt. 1926 wurde in Prag die Stummfilm-„Tragikomödie“ Loupežníci na Chlumu (heute verschollen) gedreht, die den bekannten Namen verwendet, die Handlung jedoch in eine neue Zeit überträgt, jedoch mit der ursprünglichen Geschichte wenig gemein hat.
Auf weitere C. zugeschriebene Theatertexte fassten mit ihren Sujets auf böhmischem Boden Fuß. Die Burgruine auf dem Engelsberg (Andělská Hora) bei Karlsbad war die Inspiration für das Stück Das Diadem oder Die Ruinen von Engelhaus, aus der Umgebung von Elbogen und Saaz erschienen Der steinerne Burggraf in Elbogen und posthum Die Geistermühle bei Saaz oder Stummer Ritter, direkte westböhmische Inspirationen hatte die Apologie von der Gründung der Stadt Karlsbad Die Gründung Kaiser-Karlsbad, bereits kurz nach dem Tode des Autors führte es J. Lutz mit der Gesellschaft von T. Schantroch (1. 8. 1829) auf. C.s Stücke wurden in Westböhmen oft gespielt, populär waren sie ebenfalls bei deutschen fahrenden Gesellschaften in den böhmischen Ländern. So enthielt beispielsweise das Repertoire des Brünner deutschen Theaters 1815–35 elf Titel von C. (wobei drei wahrscheinlich Bearbeitungen ausländischer Texte sind). Der Text Boleslau’s Verrat am Vaterlande oder die Zerstörung des Bergschlosses Zunky war offensichtlich eine Variante des Stücks von F. Rosenau Boleslas oder Die Zerstörung von Zunky, Autor des Lustspiels Die Kunst, wohlfeil und dabei gut zu leben kann C. Lebrün gewesen sein, die Vorlage für C.s Stück Marie Kamilsky oder Verrat um Mitternacht war wahrscheinlich ein Text von A. Fischer. Nach einer französischen Vorlage schrieb C. das Stück Die Schreckensnacht im Schlosse Paluzzi über ein wahres Verbrechen in Frankreich. Im Laufe von C.s Leben wurde es in Prag achtmal gespielt (ab 1818) und in tschechischer Übersetzung von J. N Štěpánek wurde es unter dem Titel Hrůzná noc v zámku Paluzzi erfolgreich aufgeführt.
Ein anonymer Wiener Kritiker der Premiere von C.s Stück Die Geistermühle bei Saaz oder Der stumme Ritter posthum schrieb, den Autor habe zu seiner intensiven literarischen Aktivität Setzerarbeit geführt, er sei ein „genialer Dichter“ und „Autodidact der noblesten Race“ gewesen. Trotz der unfertigen Forschung ist offensichtlich, dass C. seinerzeit ein sehr populärer Dramatiker war. Mit Ausnahme des Stücks Die Räuber auf Maria Culm hat jedoch keines seiner Werke überlebt.   


Stücke

Die Brautkrone, T. 1811 Leipzig, Prem. Hamburg 8. 10. 1813, Stadttheater Brünn 31. 8. 1815 mit dem Untertitel oder das Traumgesicht, Ständetheater 28. 9. 1821; Die Räuber auf Maria Culm oder Die Kraft des Glaubens, T. Karlsbad 1816, Gesell. J. Tazlars 20. 8. 1814 – tschechisch unter dem Titel Loupežníci na Chlumském vrchu, Ü: J. N. Štěpánek 1815, Ständetheater 8. 9. 1815; Alles schriftlich oder Der Schlaukopf, nach C. Goldoni, T. 1813 Leipzig, Prem. Nürnberg 1. 12. 1817 – tschechisch mit dem Titel Chytroušek, Ü: J. Hýbl, Prag 1819, Prem. Ständetheater 10. 10. 1824; Die Schreckensnacht im Schlosse Paluzzi, nach Mélesville, Prem. Theater an der Wien 12. 8. 1818, Stadttheater Brünn 12.10. 1818 mit dem Untertitel oder Klarissens Bluteid an der Leiche des Ermordeten – tschechisch unter dem Titel Hrůzná noc v zámku Paluzzi, Ü: J. N. Štěpánek, Praha 1832, Prem. Ständetheater 22. 1. 1832; Vetter Benjamin aus Polen oder Der Achtgroschen-Vetter, T. Karlsbad 1822, Prem. Hamburg 8. 10. 1818, Ständetheater 21. 1. 1819; Das Bild oder Die Bekanntschaft auf dem breiten Stein, T. Karlsbad 1824, Prem. Ständetheater 25. 10. 1818; Das Diadem oder Die Ruinen von Engelhaus, T. Karlsbad 1821, Prem. Ständetheater 8. 4. 1821 (Goedeke führt die Premier in München, Isa-Thortheater, September 1821 an) – tschechisch mit dem Titel Andělská hora aneb dceřina vina a otcova pomsta, Ü: Sv. K. Doudlebský, nicht erschienen,  Prem. Ständetheater 10. 5. 1840; Dankbarkeit und Fürstenmilde, Sittengemälde, T. 1807 Glogau, Prem. Stadttheater Brünn 30. 11. 1821; Der steinerne Burggraf in Elbogen, T. 1829 Karlsbad, Prem. Stadttheater Brünn 16. 4. 1827 unter dem Titel Die Vergeltung oder Der steinerne Burggraf in Elbogen; Die Gründung von Kaiser-Karlsbad, M: F. Langer, T. 1829 Karlsbad, Prem. Karlsbad 1. 8. 1829; Die Geistermühle bei Saaz oder Der stumme Ritter, Prem. Theater an der Wien 27. 12. 1834.

Quellen

SOkA Karlovy Vary: Sterbematrikel Karlovy Vary, 1794-1834, Karlovy Vary 026, Aufnahme Nr. 193, S. 187 [auch Informationen über C.s Geburtsort, das erreichte Lebensalter und dass er evangelischen Bekenntnisses war. C. wurde am 2. 4. 1829 auf dem aufgelösten St.-Andreas-Friedhof beigesetzt, nach einer Information der Friedhofsverwaltung und des Museums in Karlovy Vary vom 18. 5. 2016 wurde sein Grabstein ins Lapidarium im Museum von Karlovy Vary gebracht. In derselben Matrikel ist auf der Aufnahme Nr. 203 der Tod seiner Frau Marie am 5. 11. 1830 verzeichnet]; Fonds des Archivs der Stadt Karlovy Vary, Bücher, Inv.-Nr. 1131, Kart. 986, insb. S. 112, 120–134, Manuskr.; L. A. Stöhr: Denkwürdigkeiten der königl. Stadt Karlsbad, Teil IV [Korrespondenz C.s mit dem hohen Beamten von Eger Stöhr vom 20. 12. 1828 bis 20. 1. 1829 bezüglich des Stücks Die Gründung Kaiser-Karlsbad + Theaterzettel]. 

SOkA Cheb: Fonds 1, Karton 251, Fasz. 327 A 955/1, ab 1810 [Sammlung von Theaterzetteln].

NA Praha: Fonds Präsidium des böhmischen königlichen Landesguberniums, PM PG 218, Protokoll der Theaterzensur 1811-1817, Jahr 1815, Nr. 2. Nationalmuseum, Theaterabteilung: Theaterzettel des Ständetheaters Die Räuber auf Maria Culm, 17.3.1815, H6C – 19072 [auf dem Theaterzettel Information zur Aufführung aus d. Manuskr.].

ÖNB Wien: Sammlung von Handschriften und alten Drucken, Korrespondenz aus dem Jahre 1811 und 1816. 

Literatur

Taschenbuch für Schauspiele und Schauspielfreunde für das Jahr 1816, Stuttgart–München 1816, S. 207 [Die Räuber auf Maria Culm erwähnt im Repertoire des Prager Theaters 1815/1816]; J. W. Goethe: Herren Cuno, Abend Zeitung (Dresden) 4, 1820, Nr. 163, S. 503; Wiener Theater-Zeitung, 27, 1834, Nr. 259, S. 1037 [Rezension des Stücks Die Geistermühle bei Saaz]; Kwěty české (Praha) 1, 1834, Nr. 6, S. 47 [Rezension der ersten Aufführung von Loupežníci na Chlumském vrchu im Ständetheater]; A. John: Wallfahrtskirche Maria Kulm im Egerlande. In: Unser Egerland. Monatsschrift für Volks- und Heimatkunde, 18, 1914, Nr. 1, S. 1–4 [hier Datum der Premiere auf S. 2], Nr. 2/3, S. 20–23, Nr. 4, S. 35–40; A. Jesinger: Cunos „Räuber auf Maria-Kulm“, Unser Egerland, 21, 1917, Nr. 1, S. 1–3, Nr. 2, S. 9–11, Nr. 3, S. 18–20 [Datum der Prager Premiere]; K. Goedeke: Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen, Bd. XI/2, 1953, S. 78–80, 1808 [detaillierte Aufstellung von C.s Stücken, C. als Schauspieler von Döbbelins Gesellschaft, falsch angeführte bibliogr. Angabe der Arbeit von A. Jesinger]; Vondráček I., II. [Aufführung von Stücken in tschechischer Übersetzung]; F. Falzmann: H. C. Cuno, Wanderschauspieler, Bühnenschriftsteller und Buchhändler, Jahrbuch des Wiener Goethe-Vereins, Wien 1970, S. 82; Český hraný film I, 1898 – 1930 [Tschechischer Spielfilm I, 1898 – 1930], Praha 1995, S. 108 [Bibliografie zum verschollenen Film]; F. Černý: Divadelní život v Jaroměři 1819-1918 [Das Theaterleben in Jaroměř], Praha 2003; J. Hilmera: Činnost německých divadelních společností v českých provinciích 19. století [Die Tätigkeit der deutschen Theatergesellschaften in den böhmischen Provinzen des 19. Jahrhunderts], Praha 2006, DÚk, CD 307; R. Angermüller: Wenzel Müller und „sein“ Leopoldstädter Theater, Wien–Köln–Weimar 2010 [Wiener Aufführung von C.s Stücken]; G. Marinelli-König: Die Böhmische Länder in den Wiener Zeitschriften des Vormärz I. (1805–1848), Wien 2011, S. 81–84; P. Pavlovský: Bestseller tschechischer und deutscher Bühnen, Divadelní noviny (Praha), 21, 2012, Nr. 17, S. 10; Cuno, Heinrich, Carl-Maria-von-Weber-Gesamtausgabe [online]. [zit. 12.10.2016]. URL: http://www.weber-gesamtausgabe.de/de/Suche?q=Cuno+Heinrich

ADB, AthL, BSČZ [Puppenspiele nach C.], Burachovič [biografische Angaben: in der Lehre in Leipzig, Faktor in der Buchhandlung Zum eisernen Kreuz], HD [in Joseph Anton Lutz, S. 313, in Georg Schantroch, S. 463], Kosch Th, Ulrich; Laiske, Wurmová

Lebensereignisse

  • um 1773: Geburt, Berlin (D) [?]
  • 31.3.1829: Tod, Karlovy Vary (CZ)

Andere Namen

Kunow , Kuno , Friedrich C.


Bildung: 2017

Autor: Jitka Ludvová