Junghans, Johann Christian Gottlieb

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Johann Christian Gottlieb Junghans
* 1771
nach 1823

Ehemann der Schauspielerin und Sängerin Juliane Junghans (1773 ? – 1819), Vater des Schauspielers Karl Heinrich Junghans (1801 oder 1804 – 1831) und der Töchter Julie Junghans und Marie Junghans (1807 - ?). In seiner Jugend wirkte er wahrscheinlich als Schauspieler, in Prag als Musiklehrer, Verleger kleiner Musikalien und war Gründer des ersten Prager Notenverleihs.

Geschrieben auch Junghanns. Er kommt auch unter den Taufnamen Johann Christoph Georg vor. Ehegatte der Schauspielerin und Sängerin Juliane Junghans, Vater des Schauspielers Karl Heinrich J. und der Töchter Julia und Marie J., Schauspielerinnen. In seinen jungen Jahren war er wahrscheinlich auch Schauspieler: ein Schauspieler namens Junghans gastierte 1803 am Stadttheater Lübeck unter dem Direktor Friedrich August Leopold Loewe, ein Ehepaar Junghans war 1805 in Schwerin und 1806/07 in Stettin engagiert. In Prag wirkte J. als Musiklehrer, Gelegenheitsverleger von kleinen Musikdrucken und Begründer eines der ersten Prager Notenverleihe. Seine Frau Juliane war ab 1811 Mitglied des Ensembles des Ständetheaters. J. kam etwas später nach Prag, die ersten Notizen über seinen Aufenthalt sind zwei in Prag geschriebene Briefe (Februar und Oktober 1816, siehe Quellen).

Es ist kein Musikinstitut bekannt, das J. in jener Zeit in Prag gegründet hätte. Er erteilte wahrscheinlich privat Gesangs-, Klavier- und Gitarrenunterricht, offensichtlich auch in Adelsfamilien, in denen in einem starken Maße Musik gepflegt wurde (zwei seiner Kompositionen sind in der Musiksammlung der Prager Familie Clam-Gallas enthalten). Von der relativ umfangreichen Klientel zeugt die Theoretisch-practische Pianoforte Schule, herausgegeben 1819 im Selbstverlag in Prag. Auf der Basis dieser Publikation führen ihn die Wiener Erneuerten vaterländische Blättern als literarisch aktiven Prager im Bereich Musiktheorie an (Nr. 54, 5. 7. 1820 Verzeichnis der gegenwärtig in Böhmen lebenden Schriftsteller [...]).

Er blieb auch nach dem Tode seiner Frau (1819) mit seinen Kindern in Prag. Weitere Notizen zu ihm sind Inserate zu Kompositionen und Editionen in der Tagespresse. In der Abend Zeitung (Dresden) vom 17. 1. 1821 bietet er als „Musiklehrer in Prag“ seine Prager Ausgabe kleiner Stücke Mozarts zum Abonnement an, später dann weitere Drucke, auch mit eigenen Bearbeitungen. Nach Angaben der K. k. privil. Prager Zeitung hatte er am 3. 2. 1822 seinen Sitz in der Schwefelgasse (heute Melantrichova) Nr. 465. Ale Verleger kooperierte er auch mit Aloys Krammer. Im Jahre 1823 gründete J. in Prag eine „Musikalien-Verleihungs-Anstalt“ in der Straße Am Graben / Na Příkopě Nr. 389 ein, später dann in der Grossen Jesuitengasse / Velká jezuitská ulice Nr. 181. Die Eröffnung und die Verleihbedingungen inserierte er mehrmals in den Jahren 1823–1825 in deutschen und tschechischen Zeitungen. Er bot hier auch den Sammelband von Tänzen mit einer eigenen Klavierbearbeitung Terpsichore (u. a. Friedens-Hopfer von C. M. von Weber) an. Im Jahre 1830 wird er unter den Prager Bürgern geführt. In der polizeilichen Konskription nach 1850 taucht er nicht mehr auf. Seine kleinen Kompositionen und seine Klavierschule lagern im Fonds der Musikabteilung der Nationalbibliothek und in der Notensammlung des Nationalmuseums – des Tschechischen Museums für Musik in Prag.


Quellen

Archiv hl. Města Prahy (Stadtarchiv Prag), Verzeichnis der Prager Bürger, Aufnahms-Bogen 1830: hier Geburtsjahr 1771, ohne Ortsangabe, Witwer, Musiklehrer. Sohn Karl Heinrich (hier geb. 1801), Tochter Marie (1807), Tochter Julie nicht erwähnt. – Briefe: 8. 10. 1816 an F. L. Schmidt, Schauspieler und Theaterdirektor, siehe http://unihamburg.de/, Inv. 1924, 102:3, 17); 7. 2. 1816, Empfänger unbekannt, Universitätsbibliothek Leipzig, Slg. Kestner/I/C/II, Mapper 192, Nr. 1).

Periodika

Morgenblatt für gebildete Stände 1, Nr. 169 (16. 7. 1807), s. 676 (Engagement in Schwerin). – F. L. Schmidt: Almanach fürs Theater, Hamburg 1809, s. 165 (Engagement in Schwerin). –  Abend-Zeitung (Dresden) 17. 1. 1821, Ankündigungen-Literatur, Mitteilung zur Ausgabe von Mozart-Kompositionen in Prag. – Inserate eigener Publikationen: K. k. privil. Prager Zeitung 2. 7. 1819, S. 508 (Pianoforte-Schule),  3. 2. 1822, 6. 1. 1825, 11. 1. 1825. – Inserate des Verleihs: K. k. privil. Prager Zeitung 10. und 26. 10. 1823, 16. 1. 1825; Vlastenský zvěstovatel 17. 11. 1823 und 16. 1. 1824. 

Literatur

H. W. Bärensprung: Versuch einer Geschichte des Theaters in Meklenburg-Schwerin, 1837, S. 202 (Engagement Schwerin 1805).

H. Asmus: Die dramatische Kunst und das Theater zu Lübeck. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Theaters, Lübeck 1862, S. 74.

A. Martino: Die deutsche Leihbibliothek. Geschichte einer literarischen Institution (1756–1914), mit einem zusammen mit Georg Jäger erstellten Verzeichnis der erhaltenen Leihbibliothekskataloge, Wiesbaden 1990.

M. Kabelková: Zpráva o notovém archivu [Bericht über das Notenarchiv], in: Clam-Gallasův palác. Johann Bernhard Fischer von Erlach [Das Clam-Gallas-Palais. Johann Bernhard Fischer von Erlach], Ausstellungskatalog, Hg. M. Krummholz, Prag 2007, S. 103–114.

Musicalia v pražském periodickém tisku 1800–1825 [Musikalien in Prager Periodika 1800-1825], Hg. Jiří Berkovec, Praha 2011, Varia de musica 9, S. 130 (Musikalien-Leih Anstalt).

Lebensereignisse

  • 1771: Geburt
  • nach 1823: Tod


Bildung: 1.10.2014

Autor: Jitka Ludvová, Frank Ziegler