Scholz, Auguste

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Aus Theater Enzyklopädie
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Auguste Scholz
* 29.8. 1865 Wien ?
12.9. 1945 Bad Salzungen (Deutschland)
Schauspielerin

1880 debütierte sie in Znaim in Rollen von Naiven. 1882 – 1884 war sie am Brünner Stadttheater als sentimentale Liebhaberin engagiert, 1885 nahm sie Direktor Angelo Neumann in sein Ensemble des deutschen Landestheaters auf. Sie spielte Rollen in Lustspielen, sie konnte tanzen und singen. Weniger erfolgreich war sie in Rollen des klassischen Repertoires. Von Prag wechselte sie in ein Engagement in Berlin, ihre Schauspielkarriere beendete sie 1928.

Tochter des akademischen Malers Theodor Scholz, der aus Schlesien stammte (1820–1888 Prag). (Das Geburtsjahr 1865 führt die Literatur an, siehe Quellen.) Bereits im Kindesalter trat sie in einheimischen Theatervorstellungen auf, bei denen sie auch selbst Regie führte. Einer ihrer öffentlichen Auftritte im Kinderensemble des Theaters an der Wien ist belegt (Die Presse 17. 10. 1871). Ab ihrem fünfzehnten Lebensjahr nahm sie Schauspielunterricht bei Eduard Leuchert, einem Nebenrollendarsteller am Burgtheater und gefragtem Lehrer. Sie entschied sich für die Laufbahn einer Schauspielerin und feierte 1880 in Znaim (Znojmo) ihr berufliches Debüt. In der Folgesaison 1881/1882 spielte sie im Theater an der Wien, 1882–1884 hatte sie ein Engagement am Brünner Stadttheater, das damals unter der Leitung von Adolf Franckel stand. 1884–1886 wirkte sie am Stadttheater Hamburg, von wo aus sie nach Prag kam, ins Ensemble des Deutschen Landestheaters unter Direktor Angelo Neumann (1885–1888, nicht 1892; ihre letzte Prager Vorstellung am 30. 8. 1888, Wolff-Weber: Preziosa, dirigierte Gustav Mahler, der in Prag im Zusammenhang mit der Premiere von Webers OperDie drei Pintos gastierte). Von Prag aus ging S. in ein nicht ermitteltes Engagement nach Berlin. 1892/93 war sie Mitglied des Wiener Burgtheaters, danach des Hoftheaters in Wiesbaden (Königl. Schauspiel, 1895–1900), in Weimar und des Königlichen, später dann Staatlichen Theaters in Kassel (ab 1906). Hier wirkte sie bis zum 12. September 1928, als sie sich mit der Rolle der Frau Gudula im Lustspiel von Karl Rössler Die fünf Frankfurter nach einer fast fünfzigjährigen Schauspielkarriere von der Bühne verabschiedete.

Ins Ensemble von Direktor Ignaz Sieg in Znaim kam S. Ende September 1880. Das Theater spielte von Ende Oktober bis Ende April mehrmals wöchentlich. S. feierte ihr Debüt als Edith Marsland (Moser: Der Bibliothekar) und war von Anfang an stark eingebunden. Detaillierte Kritiken im Znaimer Wochenblatt schrieben Paul Přibil (bis Ende 1880) und Raimund Přibil (bis April 1881). Ihrer Meinung nach zeigten sich bereits im Laufe der ersten Saison ihre Vorzüge und Schwächen, auch kristallisierte sich ihr Schauspielfach heraus. Sie war sehr attraktiv, konnte tanzen und singen und wählte geschmackvolle Kostüme. Sehr schnell setzte sie sich in Rollen von Naiven, in Konversationsstücken und in Lustspielen durch. Für klassische Rollen reichte ihre Schauspielausbildung nicht aus (auch war sie dafür zu jung), die konnte ihren schauspielerischen Ausdruck nicht stilisieren und beherrschte keine angemessene Deklamation (Königin Elisabeth, Schiller: Don Carlos). Dafür setzte sie sich sehr gut in französischen Bildern aus dem Leben der oberen Gesellschaft durch (Sardou), wo sie auch Titelrollen erhielt. Gleich in der ersten Saison vertraute ihr der Direktor zwei Benefizvorstellungen an, was belegt, dass sie Erfolg hatte und das Publikum für sich gewinnen konnte. In ihrem kurzen Brünner Engagement wir die als „sentimentale Liebhaberin“ angeführt. Nach Prag kam sie mit dreiundzwanzig Jahren und konnte, weil sie so jung aussah, auch Jungen spielen (Wolfgang, Gutzkow: Der Königslieutenant). Mit den sich vertiefenden schauspielerischen Erfahrungen konnte sie ihre Figuren aus dem Kreis der Liebhaberinnen oder Naiven und sentimentalen Heldinnen psychologisch gut nachzeichnen. Sie musste sich auch dem betrieblichen Bedarf des Theaters anpassen und Rollen außerhalb ihres Hauptrollenfachs annehmen. Bereits in Prag spielte sie in Konversationsstücken Salondamen mittleren Alters, was sie dann zusammen mit Mütterrollen bis in ihre späte Schauspielzeit hinein beibehielt.


Rollen

Znaim (Znojmo): Edith Marsland (vom Moser: Der Bibliothekar), Rolle? (Berla: Durchgegangene Weiber), Tochter Emma (Deinhardstein: Zwei Tage aus dem Leben eines Fürsten), Emma von Falkenstein (Kotzebue: Die Kreuzfahrer), Rolle? (Anschütz nach Goldoni: Ehestifter), Marie (Raupach: Der Müller und sein Kind), Camilla (Rosen: Des Nächsten Hausfrau), Jane Eyre (Birch-Pfeiffer: Die Waise von Lowood), Mulattin Else (Becher-Stowe: Onkel Toms Hütte), Käthchen (Kleist: Käthchen von Heilbronn), Hero (Grillparzer: Des Meeres und der Liebe Wellen), Bertha Schwalbach (Rosen: Schwere Zeiten), Marquise de Villette (Birch-Pfeiffer: Eine Ballnacht am Hofe Louis XIV.), Marquise von Sevigne (Berger: Maria von Medicis), Käthchen (Rosen: Neue Männer), Magdalene Werner (Bauernfeld: Aus der Gesellschaft), Frou-Frou (Sardou: Frou-Frou), Beate Runeck (Rosen: Ein Engel), Esmeralda (Birch-Pfeiffer: Der Glöckner von Notre Dame), Fernande (Sardou: Fernande), Prinzessin Georges (Dumas jr.: Prinzessin Georges), Branche (Feuillet: Die verzauberte Prinzessin), Gräfin Ruttland (Laube:Graf Essex), Marie (Randolf: Die Memoiren des Teufels), Thekla (Benedix: Doktor Vespe), Ursula (Rosen: Der Mann in der Flasche), Marie (E. von St.:Stern und Irrlicht), Constanze (Rosen: Kanonenfutter). – Brno (Auswahl): Klärchen (Goethe: Egmont), Ismene (Sophokles: Antigone). – Prag (Auswahl): Louise (Schiller: Kabale und Liebe), Konstanze (Zimmermann: Don Juan in Prag, 1887, Anlassstück zum 100. Opernjubiläum), Amalie (Schiller: Die Räuber), Madame Amalie Friedberg (Kotzebue: Die beiden Klingsberg), Elisabeth von Valois (Schiller: Don Carlos), Elisabeth (Shakespeare: König Richard III.), Hero (Grillparzer: Des Meeres und der Liebe Wellen), Nannchen, Näherin (Benedix: Das bemooste Haupt), Bertha (von Moser: Das Stiftungsfest), Prinzessin Natalie (Kleist: Friedrich von Homburg), Prinzessin Agnes (Bauernfeld: Aus der Gesellschaft), Hermia (Shakespeare: Ein Sommernachtstraum), Amalie Kingheim (Raimund: Der Verschwender), Athenais Moulinet (Ohnet: Der Hüttenbesitzer). Emma Aussdorf (Benedix: Eigensinn).

Quellen

Národní archiv, Policejní ředitelství I., Konskripce (Nationalarchiv, Polizeidirektion I., Konskription), Karton 609, Abb. 567. Hier ist das wahrscheinlichere Geburtsjahr 1863 angeführt, das besser ihrem Schauspieldebüt im Jahre 1880 entspricht. Ein Beleg für die Beendigung des Prager Vertrags im Jahre 1888 ist die polizeiliche Abmeldung vom 3. 9. 1888, einem Vermerk zufolge reiste sie von Prag nach Berlin. – Vertrag, Arbeitsvertrag über das Engagement im k. k. Hof-Burgtheater Wien, unterzeichnet am 18. 3. 1892, Österr. Nationalbibliothek, Handschriftensammlung (hier Geburtsjahr 1863).

Periodika

Znaimer Wochenblatt, Oktober 1880 – April 1881 passim, Charakteristik insb. 2. 10. 1880 (Debüt), 9. 10. 1880, 18. 12. 1880. – Prager Tagblatt, November 1885 bis August 1888 passim. – Deutsches Bühnenjahrbuch 1930, S. 80, Jubiläum. 

Literatur

G. Bondi: Fünfundzwanzig Jahre Eigenregie. Geschichte des Brünner Stadttheaters 1882–1907, Brno 1907, S. 5, 10, 12, 17, 20, 28

O. Teuber: Geschichte des Prager Theaters III, Prag 1888, s. 810–811, 816, 847 

Německojazyčné divadlo na Moravě a ve Slezsku / Deutschsprachiges Theater in Mähren und Schlesien, 1/3, Ředitelé městských divadel / Direktoren der Stadttheater, M. Havlíčková, S. Pracná, J. Štefanides, Olomouc 2011, S. 202 (Direktor Ignaz Siege)

Eisenberg, Kosch Th, ÖBL (falsches Datum über das Ausscheiden aus dem Prager Engagement), Ulrich

Lebensereignisse

  • 29.8. 1865: Geburt, Wien ?
  • 12.9. 1945: Tod, Bad Salzungen (Deutschland)


Bildung: 15.04.2014

Autor: Berenika Urbanová