Bolze, Carl Peter

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Carl Peter Bolze
* 1785 Erfurt (D)
27.11. 1865 Prag (Praha, CZ)
Schauspieler, Inspizient, Theatersouffleur

Über seine Tätigkeit vor seinem Auftauchen in Prag ist nichts bekannt. Als zweiter Liebhaber engagiert 1816 im Ensemble des deutschen Schauspiels des Ständetheaters. Später spielte sie kleinere Rollen und beteiligte sich am Betrieb des Theaters auch als Inspizient, Souffleur und Binder von Theatertexten. In den Rollen von Alten trat er auch nach seiner Pensionierung im Jahre 1843 auf. Seine zwei Töchter (Maria, *1811, und Dorothea, *1819) widmeten sich dem Theater.

Schreibung auch Karl. Zu seinem Leben vor seiner Ankunft in Prag liegen keine Informationen vor. 1816 wird B. erstmals in Verbindung mit dem deutschsprachigen Schauspiel am Prager Ständetheater erwähnt, wo er unter der Leitung Johann Carl Liebichs als zweiter Liebhaber engagiert worden war. Er wurde ohne Probevorstellung eingestellt, es ist daher wahrscheinlich, dass Liebich ihn bereits kannte und nach Prag eingeladen hatte. B. blieb der Prager Bühne sein Leben lang treu und behielt sein Engagement unter mehreren Theaterdirektoren (Liebichs Witwe, Holbein, dem Triumvirat Polawsky – Kainz – Štěpánek, Stöger, Hoffmann und abermals Stöger). In dieser Zeit übernahm er im deutschsprachigen Schauspiel viele kleinere Rollen (Diener, Gesellschafter, Bürgermeister, ältere Verwandte, Beamte). Von B.s Position im Ensemble während des sog. „Triumvirats“ (1824–1834) wie auch in Stögers erster Amtszeit (1834–1846) zeugt seine Monatsgage, die während beider Zeiträume ca. 66 Gulden und 40 Kreuzer betrug (Teuber, 1888, S. 161 und 328) und damit unter dem Ensembledurchschnitt lag. Neben seiner schauspielerischen Tätigkeit war B. auch als Inspizient, Souffleur und Binder von Dramentexten am Theaterbetrieb beteiligt. Auch seinen kleineren, schauspielerisch oft wenig dankbaren Rollen widmete er sich gewissenhaft und mit Fleiß, was ihm die langjährige Gunst und Anerkennung des Publikums eintrug (Bohemia, 14. 10. 1834).

Seine Bindung an das Theater erhielt B. auch in höherem Alter aufrecht. Am 9. 4. 1843 wurde er pensioniert, trat jedoch weiterhin regelmäßig im deutschsprachigen Schauspielensemble auf, wo er Greisenrollen verschiedensten Charakters übernahm, von gutmütigen Familienangehörigen und melancholischen Alten bis hin zu pedantischen alten Griesgramen, die ihrem Umfeld so manchen Ärger bereiten. Zum Charakter der Greise trug auch das Erscheinungsbild bei, das B. in hohem Alter zu eigen war: Er hatte den Kopf zwischen die Schultern gezogen und trug langes, schneeweißes Haar. Während seines ganzen Lebens hatte B. eine sanfte, wenig markante Stimme, was eventuell (wie einige Rezensionen belegen) die Verständlichkeit seiner Rede beeinträchtigte (Bohemia, 17. 5. 1839, 5. 9. 1843).

Seine schauspielerische Laufbahn am Ständetheater beendete B. definitiv im Jahr 1856. Die wahrscheinlich letzte Vorstellung war Kaisers Stück Ein Lump am 30. 5. 1856 auf der Sommerbühne Pštroska, wo er als Gast eine der zentralen Figuren verkörperte (eine Vorstellungsankündigung wurde in der Zeitung Bohemia gedruckt).

B. lebte daraufhin noch weitere dreizehn Jahre mit seiner Familie in Prag. Er war zweimal verheiratet, seine erste Frau hieß Emilie (*1780), die zweite, Josepha, geb. Härdtl (*1800), war die Tochter eines Apothekers aus Dobříš und arbeitete als Handarbeitslehrerin. Von fünf Kindern (Franz *1809, Maria *1811, Philipp *1812, Dorothea *1819 und Johann *1841) schlugen zwei Töchter später eine Theaterkarriere ein (Maria wurde Schauspielerin, Dorothea Sängerin), alle drei Söhne erreichten eine hervorragende Bildung (Franz studierte Medizin, Philipp war Eisenbahningenieur, der Jüngste, Johann, studierte Chemie).

In der Tageszeitung Bohemia wird ab Ende der dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts in Verbindung mit dem Prager Ständetheater auch eine Sängerin namens Anna Bolze erwähnt. Verwandtschaftliche Beziehungen mit CarlB. sind jedoch bislang nicht bekannt. 


Rollen

Walther Fürst / Schiller: Fiesco; Pastor Gluck / F. Kratter: Das Mädchen von Marienburg; Fielding / Iffland: Die Erinnerung; Mystifax, alter Zauberer / Nestroy: Der böse Geist Lumpacivagabundus oder Das liederliche Kleeblatt; Gordon / Schiller: Wallensteins Tod; Rektor Berger / Iffland: Der Spieler; Erdmann / F. L. Schröder: Glück bessert Thorheit; Schlicht, Geschäftsdiener / F. L. Schmidt: Lorenz Stark oder Die deutsche Familie; Joseph Haydn, Kapellmeister / J. Ritter von Seyfried – G. von Hofmann: Haydn oder Die Ochsenmenuette; Philipp Bertram / Kotzebue: Bruderzwist; Wohllaut, Advokat / C. Meisl: Der falsche Virtuos; Selim, Diener / Raupach: Rafaele; Rada Reife / Bauernfeld: Leichtsinn aus Liebe oder Täuschungen; Herr von Eckerchen / Achille Albini: Endlich hat er es doch gut gemacht; Totengräber / Raupach: Der Müller und sein Kind; Herrmann / Kotzebue: Das Schreibpult oder Die Gefahren der Jugend; Miller, Stadtmusikant / Schiller: Kabale und Liebe; Friedrich / Johanna Franul von Weißenthurn: Die Erben; Severin / I. F. Castelli: Die seltsame Lotterie; Braske / Johanna von Weißenthurn: Johann, Herzog von Finnland; Vater Wiese / Raupach: Die Reise nach der Stadt; Bürgermeister / Iffland: Die Jäger; Wenzel Müller, Kapellmeister / Haffner: Therese Krones; Rettenberg, Bürgermeister / F. Kaiser: Ein Lump.

Quellen

Národní archiv, Verzeichnis des Polizeipräsidiums I., Karton 43, Abb. 62Archiv hlavního města Prahy, Magistrat der Hauptstadt Prag I., Konskriptionsabteilung IV, Verzeichnis der Prager Einwohner 1830–1910 (1920): Laufende Nummer 15, Karton Nr. 22

Periodika

Taschenbuch für Schauspieler und Schauspielfreunde 1821–1856. – Bohemia 18281843 passim. –Bohemia 30. 5. 1856, Nr. 127, S. 716 (letzte Vorstellung); 28. 11. 1869, Nr. 284, S. 3950 Beilage (Nachruf); 2. 3. 1878, Nr. 61, S. 3, Beilage (O. Teuber über das Ständetheater).

Literatur

Z. Němec: Weberova pražská léta,  Praha 1944, S. 163, 276–277; Teuber III, 1888, S. 8, 51, 161, 206, 213,  230–231, 328, 361, 501, 867

Lebensereignisse

  • 1785: Geburt, Erfurt (D)
  • 27.11. 1865: Tod, Prag (Praha, CZ)

Andere Namen

Bolze Karl Peter


Bildung: 30.11.2012

Autor: Jitka Pavlišová