Dubsky von Wittenau, Eduard

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Eduard Dubsky von Wittenau
* 9. 5. 1868 Lochotín bei Pilsen (CZ)
21. 7. 1892 Pilsen (CZ)
Publizist, Kritiker, Dramatiker, Librettist

Hoffnungsvoller Theaterkritiker und Publizist, dessen Lebensbahn von einem frühen Tod beendet wurde. Referate und Feuilletons publizierte er ab 1888 in der Allgemeinen Kunst-Chronik, im Fremdenblatt und im Pester Lloyd. Ein knappes Jahr lang war er Chefredakteur der Pilsner Zeitung, wo er u. a. eine regelmäßige Theaterrubrik begründete. Er ist der Autor mehrerer kleinerer Theaterstücke und -libretti. 

Getauft auf Eduard Franz Josef Adolf. Geschrieben ebenfalls Dubský z Vitiněvsi, Vitinovsi, von Wittenow. Er stammte aus einem alten böhmischen Adelsgeschlecht. Wird mit seinem gleichnamigen Vater (1845–1901) verwechselt, dem Inhaber einer Tonwarenfabrik in Lochotín bei Pilsen, außerdem war er Stadtrat, altböhmischer Publizist, Musiker und Mäzen. Seine Mutter Marie, geb. Köbelein, war die Tochter des Direktors einer Prager Fabrik. Die Ehe wurde aus Nationalitätengründen geschieden, D.s Vater ging 1880 nach Pressburg, wo er erneut heiratete, D. zog mit seiner Mutter und zwei jüngeren Schwestern 1881 nach Prag. 1886 schrieb er sich am deutschen Technikum ein, wo er technische Chemie studierte, doch er besuchte auch Vorlesungen an der Germanistik. 1887 feierte er sein Debüt als Dramatiker, ab 1888 publizierte er Theaterreferate und Feuilletons in der Wiener Wochenzeitung Allgemeine Kunst-Chronik und in den Tagblättern Teplitz-Schönauer Anzeiger, Fremdenblatt und Pester Lloyd. Ab dem 15.8.1891 wirkte er in Pilsen als Chefredakteur der deutschen liberalen Pilsner Zeitung. Nach dem Sommerfest zu Ehren des Pilsener deutschen Schulvereins erkrankte er an Typhus, am 21. 7. 1892 erschoss er sich mit fünfundzwanzig Jahren in einem Anflug von Wahnsinn. Die Totenmesse fand in der St.-Heinrich-Kirche in der Prager Neustadt statt, wohin ihn seine Mutter hatte bringen lassen. Begraben wurde er auf dem Friedhof in Prag – Olšany. An der Beerdigung nahm eine ganze Reihe von Persönlichkeiten des Prager Kulturlebens teil: die Mitglieder der Vereine Concordia und Schlaraffia (A. Klaar, J. Willomitzer) und die Mitglieder des Prager deutschen Theaters.

Die ersten literarischen Arbeiten soll D. schon ab seinem fünfzehnten Lebensjahr veröffentlicht haben. Der Schwerpunkt seines literarischen Schaffens liegt in der Publizistik. Er schrieb Referate über das Prager deutsche Theater- und Kulturgeschehen, er soll auch als Pilsener Korrespondent Beiträge für die Bohemia verfasst haben. Als Chefredakteur begründete er in der zweimal wöchentlich erscheinenden Pilsener Zeitung (Parteiblatt der Deutschen Westböhmens), die von C. Hanel herausgegeben wurde, eine eigenständige Theaterrubrik, die er größtenteils als Autor selbst betreute. In einem schwungvollen, leicht ironischen Ton schrieb er vor allem über das deutschsprachige Theatergeschehen in Pilsen und Prag. Die Struktur seines Referats entsprach der Konvention der damaligen Zeit; nach einer kurzen Abhandlung über entsprechenden den Autor bzw. Komponisten kam er auf die Handlung und die Komposition des rezensierten Werkes zu sprechen und bewertete abschließend die schauspielerischen (z. B. die gastierenden S. von Rettich Pirk, aber auch M. Pospíšilová) bzw. musikalischen Leistungen. Deutlich kritisch äußerte er sich bezüglich heruntergekommenen Amüsements und eines damit zusammenhängenden anbiedernden schauspielerischen Ausdrucks. In der Pilsner Zeitung publizierte er auch Feuilletons (auch Reisebeschreibungen) und Übersetzungen aus dem Französischen (u. a. T. Banville, H. Le Roux). Bei D.s breitem Spektrum blieb das Theater zentrales Thema der meisten seiner journalistischen Texte.
D.s Theaterstücke (zumeist Einakter) und Libretti wurden auf Bühnen in und außerhalb von Prag gespielt; in Teplice, Budapest, Brünn und Pilsen. Sein dramatisches Erstlingswerk war das kurze Lustspiel Harun al Raschid. Das erfolgreichste Theaterstück wurde die einaktige Konversationskomödie aus dem damaligen Budapest Der Salonzigeuner, die u. a. in Budapest, Pilsen und im Prager Neuen deutschen Theater aufgeführt wurde. In dem Text mit zahlreichen musikalischen und theatralischen Anspielungen entwickelte D. das Thema einer Treueprüfung eines Liebespaares durch eine affektierte theatralische Verstellung; das Stück gipfelt in einer Verlobung. Das einaktige Genrebild Lieutenant Napoleon wurde von der Kritik als kleine dramatischen Anekdote bewertet, die Kolorit, Stimmung und eine Idee aufweise; ob der Text mit dem Lustspiel Das rote Ei übereinstimmt, das als „dramatische napoleonische Anekdote“ aufgeführt wurde, konnte nicht festgestellt werden.
Von D.s Libretti erweckte die Vorlage zur Oper mit historischen Sujets Emerich Fortunat Interesse. In exotische Kulissen Ungarns im 16. Jahrhundert stellt er hier den Zwiespalt des Haupthelden, der zwischen der Liebe zu seinem Mädchen und seinen Pflichten als Sohn gegenüber seinem Vater, einem religiösen Fanatiker, schwankt, das Stück endet mit dem tragischen Tod des Liebespaares. Im Libretto der komischen Oper Rodenstein in Versform verarbeitete D. Sagen, die die gleichnamige Burg im Odenwald umranken. Als Vorlage bezeichnete er das Vagabundenlied von J. V. Scheffel Gaudeamus, wenngleich damals bereits das gleichnamige Libretto von J. B. Krebs in einer Vertonung von N. Stössel (1840) existierte. Hier taucht erneut das Thema eines Liebesgefühls auf, das diesmal trotz vieler Hindernisse (Intrigen eines anderen Liebhabers, politische Affäre) glücklich in einer Hochzeit endet. Die komische Oper Heines Memoiren in fünf Akten, das sich im Vorwort des Haupthelden zum Autor entfremdet, karikiert den damals beliebten Dichter, u. a. durch das exotische Umfeld und die Gestalten (sie war auch eine Karikatur von G. Nerval). Die Kritik wertschätzte auch die wirksame sprachliche Komik.
D. werden auch die Novelle Condesina! und das Märchen Prinz Cro-o-ki und Prinzessin Senderoli zugeschrieben. Für den Sammelband Grüsse aus Prag schrieb er das satirische Gedicht Rococo. Er schrieb auch humoristische Liedertexte und übersetzte aus dem Französischen und Tschechischen. Seine weitere Profilierung als Autor und Kritiker verhinderte sein früher Tod. D., der seinerzeit als hoffnungsvoller Theaterautor und -kritiker mit zahlreichen Kontakten in Prag, Wien und Budapest geschätzt wurde, gehört zu den völlig vergessenen Autoren.


Chiffres und Pseudonyme

v. D

Stücke und Libretti

Harun al Raschid, auch T. 1884; Der Salonzigeuner, Stadttheater Teplitz 1887, auch T. Pilsen; Lieutenant Napoleon, Ständetheater 30.4.1892 ■ Emerich Fortunat, M. E. N. v. Reznicek (auch Koautor des Librettos), Neues Deutsches Theater 8.11.1889, auch T. Prag; Rodenstein, M. E. Kaiser, T. Prag 1889, Stadttheater Brünn 19.11.1891; Heines Memoiren, M. L. Burger, T. Pressburg 1892.

Quellen

SOA Plzeň: Matrikelsammlung Westböhmen, VM I Plzeň, Geburtsmatrikel 1867–1870, S. 98; VM I Plzeň, Sterbematrikel 1838–1892.

NA Praha: Polizeidirektion I, Konskription, Kart. 99, Abb. 174.

Literatur

Teplitz-Schönauer Anzeiger 30. 7., 3. 8. 1887 [Prem. Salonzigeuner]; Fremdenblatt. Organ für die böhmischen Kurorte (Karlsbad) 8, 1888, Nr. 17, S. 5; Prager Abendblatt 21. 8. 1891, 2. 5. 1892; E. Burgstaller, Der Salonzigeuner, Pilsner Zeitung 14. 10. 1891; Prager Tagblatt 22. 11. 1891; Neue Freie Presse (Wien) 28. 11. 1891; Wiener Montags-Journal 10, 1891, Nr. 515, S. 5; A. Klaar, Bohemia (Prag) 1. 5. 1892 [Prem. Lieutenant Napoleon] ● Todesanzeigen und Nachrufe: Bohemia (Prag) 23. 7. 1892; Prager Abendblatt 25. 7. 1892; Pilsner Zeitung 23. und 27. 7. 1892; Deutsche Wacht 8. 8. 1892; Neuer Theater Almanach (Berlin) 1893, S. 130 ● Deutsche Technische Hochschule in Prag 1806 bis 1906, Prag 1906, S. 494 [Studien am Prager Polytechnikum]; G. Bondi: Fünfundzwanzig Jahre Eigenregie; Geschichte des Brünner Stadttheaters 1882-1907, Brünn 1907, S. 91 [Aufführung der Oper Rodenstein]; G. K. Kodek: Unsere Bausteine sind die Menschen: die Mitglieder der Wiener Freimaurer-Logen (1869–1938), Wien 2009, S. 71 [Vater E. Dubsky]; J. Ludvová: Až k hořkému konci [Bis zum bitteren Ende], Praha 2012, S. 119, 185; V. Mentberger: Průmyslová keramika Dubského Vitínovsi [Industrielle Keramik von Dubskys Wittenau], in Slg. Minulostí Plzně a Plzeňska [Die Vergangenheit von Pilsen und des Pilsener Gebiets], Ed. M. Bělohlávek, Plzeň 1959, S. 171–174 [Vater E. Dubsky].  

Blumesberger, Hinrichsen, Kosch L, Kosch Th [fehlerhafte Transkription des Geburtsortes], ODS, Otto [Adelsfamilie], Ulrich [fehlerhafte Transkription des Geburtsortes]. 

Lebensereignisse

  • 9. 5. 1868: Geburt, Lochotín bei Pilsen (CZ)
  • 21. 7. 1892: Tod, Pilsen (CZ)

Andere Namen

Dubský z Vitiněvsi Franz Josef Adolf, Vitinovsi , von Wittenow ,


Bildung: 2017

Autor: Václav Petrbok, Berenika Zemanová Urbanová