Gallmeyer, Christian

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Christian Gallmeyer
* 1816 (?)
25. 2. 1867 Wien (A)
Schauspieler, Regisseur, Theaterdirektor

Wirkte als Liebhaber in Linz, Lemberk, Wien, Temeswar, Buda und Graz. 1853 wurde er als Schauspieler komischer Rollen in Brünn engagiert, 1856–58 Kodirektor des Brünner Theaters. 1860–61 spielte er im Prager Ständetheater, anschließend in Mainz und in Ofen. Ehegatte der Katharina Tomaselli (1811–1857) und Stiefvater der Sängerin Josephine Gallmeyer (1838–1884).

Mit vollem Namen Friedrich August Heinrich Christian Gallmeyer, geschrieben auch Gallmayer, Gallmeier. Der Geburtsort und das genaue Geburtsdatum G.s sind nicht bekannt. Das erste Engagement erhielt er offensichtlich im Stadttheater in Würzburg (1837–38), in der folgenden Saison besetzte er das Rollenfach jugendliche Liebhaber und Chevaliers am Stadttheater in Regensburg. Im Stadttheater in Linz besetzte ihn Direktor J. Pellet für das Rollenfach erster Liebhaber und Bonvivants (1841–42). Für seine Leistungen in Linz wurde er wegen seines unzweifelhaften Talents und seiner angenehmen Stimme gelobt, doch die Kritik warf ihm zu schnelles Sprechen vor. Er heiratete seine Kollegin Katharina Tomaselli, die im Opernensemble des Linzer Theaters erste Rollen sang. Im Jahre 1842 ging Direktor Pellet an das deutsche Theater in Lemberk, wo er G. und auch seiner Frau ein Engagement anbot (bis 1845). Im Frühjahr 1845 gastierte G. im Wiener Theater in der Leopoldstadt und erhielt im selben Jahr ein Engagement im Theater an der Wien (Direktor F. Pokorny), wo er sich z. B. als Lieutenant Kronenburg (Ch. Birch-Pfeiffer: Der Graf von Waltron) vorstellte. In der Saison 1845–46 wirkte er zusammen mit seiner Frau am Stadttheater in Temeswar. Im Folgejahr ging er an das Theater im ungarischen Ofen (Direktor A. Schmid), wo er auch auf der Sommerbühne im Viertel Christinenstadt (Krisztinaváros) im Rollenfach erste Liebhaber, Bonvivants, feinkomische Charakterrollen wirkte. 1851­–52 waren er und seine Frau am Theater in Graz bei Direktor F. Thomé engagiert. 1853 ging das Ehepaar ans Brünner Stadttheater, wo G. erste komische Dialektrollen, Bonvivants und Chevaliers und Katharina Opern-Mutterrollen verkörperte. Als Schauspielerin und Sängerin setzte sich hier erstmals G.s Stieftochter Josephine durch, die wenig später souverän erste Gesangspartien meisterte. G. war beim Publikum beliebt, später wurde ihm auch die Regie anvertraut. Im Juni 1856 ernannte ihn Direktor L. Flerx zum Kodirektor für ökonomische Angelegenheiten, worauf er das Theater im folgenden Jahr verließ, und G. beantragte also eine Genehmigung für den Betrieb der Theatertätigkeit zusammen mit G. Denemy. Diese Genehmigung wurde ihnen zu Ostern 1857 erteilt, und zwar für eine Zeit von drei Jahren, allerdings dauerte sie nur ein Jahr. G. gelang es zwar, eine hohe Vorauszahlung von Industriellen vor Ort zu erhalten, doch weil er nicht in der Lage war, die Darlehen zurückzuzahlen, musste er im Sommer des darauffolgenden Jahres zurücktreten. Während des Engagements in Brünn starb seine Frau Katharina (1857). Im Juni 1860 berief ihn Direktor F. Thomé ans Prager Ständetheater. G. gastierte regelmäßig auf der Sommertheater im Pstross-Garten (seine erste Rolle war der Musikant Miller in Schillers Kabale und Liebe), ab dem Beginn der Wintersaison 1860 erhielt er ein ständiges Engagement, im Ensemble wurde er von E. Bergman ersetzt. Er bewährte sich als zuverlässiger, erfahrener Künstler (Maximilian in Schillers Räubern, Theobald Friedeborn in Kleists Das Käthchen von Heilbronn, Stellarius in Nestroys Posse Der böse Geist Lumpacivagabundus). An dem Prager Theater blieb er bis zum Ende der Sommersaison 1861. 1862–65 spielte er am Stadttheater in Mainz und führte dort auch Regie: damals wechselte er zum Rollenfach Väter. Im Mai 1865 gastierte er im Thalia Theater in Wien. Seine letzte Wirkungsstätte war das deutsche Stadttheater in Pest, wohin er ab Herbst 1865 wechselte, doch im darauffolgenden Jahr verließ er das Theater aus gesundheitlichen Gründen. Seine Stieftochter Josephine nahm ihn mit nach Wien, wo er wenig später starb.

G. galt als guter, zuverlässiger Schauspieler, dessen Renommee scheinbar auch durch die missglückte ökonomische Leitung des Brünner Theaters keinen Schaden nahm. Er wurde jedoch vollständig von seiner Stieftochter Josephine in den Schatten gestellt, die seinen Familiennamen übernahm und zu den bedeutendsten Persönlichkeiten des deutschen Theaters im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts avancierte.


Rollen

Ständisches Theater Linz
Emmerich D´Albret (E. Scribe: Die Fesseln), Teufel (nach F. Soulié: Satans Memoiren), Lothar (K. Holthei: Erich der Geizhals), August von Strohm (F. Holbein: Die Schlittenfahrt) – 1842. 

Deutsches Theater Lemberk
Philipp (Ch. Birch-Pfeiffer nach E. Bulwer-Lytton: Nacht und morgen) – 1843.

Theater in der Leopoldstadt Wien
Ferdinand von Tauben (P. Robert: Er geht aufs Land) – 1845.

Theater an der Wien, Wien
Christian (J. W. Lembert, nach Frz.: Der Swiegersohn eines Millionars), Lieutenant Kronenburg (Ch. Birch-Pfeiffer, nach H. F. Möllner: Der Graf von Waltron) – 1845; Korporal (W. Friedrich nach J. B. Rosier: Der Korporal), [?] (M. Tenelli: Der Verstorbene) [?] (F. W. Ziegler: Partey-Wuth), [?] (Ch. Birch-Pfeiffer: Gaugraf Philipp der Wilde), Maler (E. Raupach: Der Bettler), Lieutenant Vranden (C. Töpfer: Der Herzogs Befehl) – 1846. 

Königl. Stadttheater Ofen, Sommertheater in Christinenstadt
George Villiers (Ch. Birch-Pfeiffer: Ein Billet), [?] (Carlschmidt: Ein Minister aus dem Volke), [?] (L. Foglár: Der Blaustrumpf), Lionel (F. Schiller: Die Jungfrau von Orleans), Carl (F. Hebbel: Maria Magdalena), Offizier (M. Tenelli nach Frz.: Die Mönche, oder ein Abenteuer in einem Nonnenkloster), Dobo (Mihanovic: Die ungarischen Patrioten), Saalfeld (G. Freitag: Die Valentine) – 1848.

Landständisches Theater Graz
[?] (Ch. Birch-Pfeiffer: Jules Mazarin) – 1852; Hofmarschall Kalb (F. Schiller: Kabale und Liebe) – 1853.

Königlich städtisches Theater Brünn
Redacteur Bolz (G. Freytag: Die Journalisten), [?] (F. Kaiser: Sie ist verheiratet), Mercutio (W. Shakespeare: Romeo und Julia), Graziano (W. Shakespeare: Kaufmann von Venedig) – 1853

Königl. ständisches Theater, Prag
Stadtmusikant Miller (F. Schiller: Kabale und Liebe), Kauz (J. Nestroy, M.: A. Müller: Das Mädel aus der Vorstadt, Pštros.), Eskalus, Prinz von Verona (W. Shakespeare, Überarb. L. Tieck: Romeo und Julia), Major Bernard (G. Moser: Ich werde mir den Major einladen), Andreas Doria (F. Schiller: Fiesco), Amias Paulet (F. Schiller: Maria Stuart) – 1860; Maximilian (F. Schiller: Die Räuber), Gremio (W. Shakespeare, Überarb. Deinhardschein: Die Widerspenstige), Manasse Vanderstraten (K. Gutzkow: Uriel Acosta), Stellarius (J. Nestroy, M.: A. Müller: Der böse Geist Lumpacivagabundus, Pštros.) – 1861. 

Quellen

NMd: Theaterzettel, Stavovské divadlo, 1860, II. (H6C-25822) – 1861, II. (H6C-25826). 

Literatur

Almanach für Freunde der Schauspielkunst (Berlin) 1840, S. 369, 408; 1842, S. 498; 1843, S. 246; 1844, T. [2], S. 175; 1845, S. 332, 395; 1846, T. [2], S. 338; 1847, T. [2], S. 341; 1848, T. [2], S. 266; 1851, T. [2], S. 219; 1852, T. [2], S. 191; 1853, T. [2], S. 133; Deutscher Bühnen-Almanach (Berlin) 1854, T. [2], S. 101; 1855, T. [2], S. 87; 1856, T. [2], S. 133; 1857, T. [2], S. 78–79; 1858, T. [2], S. 101; 1861, T. [2], S. 241; 1862, T. [2], S. 298; 1863, T. 2, S. 232; 1864, T. 2, S. 194, 195; Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode 17. 7. 1845, 18. 8., 24. 9. 1846, Der Humorist (Wien) 9. 12. 1842, 7. 1. 1843, 23. 10. 1845, 9. 1. 1846, 23. 12. 1849, 22. 9., 14. 10., 2. 11. 1852, 3. 5., 22. 5., 20. 8. 1853; Wiener Zeitung 22. 9. 1846; Der Wanderer (Wien) 1. 7. 1846, Fremden Blatt (Wien) 25. 4. 1849, 5. 4. 1867 [Todesanzeige], Der Ungar Zeitschriftliches Organ für magyarischen Interessen (Wien) 18. 5., 4. 6. 1848, Blätter für Musik, Theater und Kunst (Wien) 22. 3. 1861, 23. 6. 1863; Sonntagsblätter (Wien) 13. 9. 1846; Theateralmanach (Prag) 1861, S. 10, 51; 1862 S. 21; A. Rille: Die Geschichte des Brünner Stadt-Theaters, Brünn 1885, S. 158–159 [Vornamen, Kodirektion in Brünn]; Teuber III, S. 508, 514, 622, 875; M. Havlíčková – S. Pracná – J. Štefanides: Německojazyčné divadlo na Moravě a ve Slezsku 1/3 [Das deutschsprachige Theater in Mähren und Schlesien 1/3], Olomouc 2013, S. 111.

Eisenberg [in J. Gallmeyer, S. 303], HD [in J. Gallmeyer, S. 162; in K. Tomaselli, S. 574], Kosch Th, ÖBL [in J. Gallmeyer], ODS, Ulrich

Lebensereignisse

  • 1816 (?): Geburt
  • 25. 2. 1867 Wien (A): Tod

Andere Namen

Gallmeyer Friedrich August Heinrich Christian, Gallmayer , Gallmeier


Bildung: 2017

Autor: Marcela Magdová, Berenika Zemanová Urbanová