Lackner, Josef

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Josef Lackner
* 12. 11. 1839 Ebensee (A)
3. 8. 1909 Mikulov (CZ)
Theaterdirektor, Schauspieler

Josef Lackner wirkte ab der zweiten Hälfte der 50-er Jahre des 19. Jahrhunderts als Schauspieler bei verschiedenen fahrenden Gesellschaften auf dem Gebiet des österreichischen Gebiets der Monarchie. Am Ende der 70-er Jahre gründete er eine eigene fahrende Truppe, mit der er überwiegend in Mähren und Schlesien bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wirkte.

Geschrieben auch Lakner. Er wurde in Ebensee in Oberösterreich geboren und stammte aus dem Theaterumfeld – seine Eltern Johann Lackner und Anna Maria geb. Danspet (geschrieben auch Tansbet) waren Schauspieler. Die Theaterwurzeln der Familie sind mindestens bis zu L.s Großvater mütterlicherseits, dem Schauspieler A. Danspet, zurückzuverfolgen. Seine Theaterkarriere begann L. im Laufe der Saison 1856/57 bei Theaterdirektor A. Miller im Stadttheater in Celje (heutiges Slowenien), wo er zuerst Inspizient war, doch bereits im Laufe der Saison wurde er Mitglied des Schauspielensembles. In den folgenden Jahren wirkte er als etablierter erster Liebhaber und Held in festen Theatern bei bekannten Theaterdirektoren wie beispielsweise J. Kotzky, mit dessen Truppe er in der Saison 1859/60 in Opava (Troppau) und 1860/61 in Salzburg und Bad Ischl spielte. In Salzburg nahm er seinen Militärdienst auf (September 1860), er wurde dem Infanterieregiment von Erzherzog Rainer Ferdinand zugeordnet und nahm 1866 auch am Italienfeldzug teil. Zum Theater kehrte er erst 1867 wieder zurück, als er mit dem Grad eines Feldwebels aus der Armee entlassen wurde. Anschließend spielte er mit der Truppe von I. Bockshorn in Meran, Brixen und Hall. Ab 1876 war L. als Theaterdirektor eines deutschsprachigen Theaterensembles bekannt, mit dem er dann dreißig Jahre lang vor allem im nördlichen Teil Mährens und in Schlesien wirkte, wo es ihm gelang, auch städtische Theater zu pachten. Am häufigsten kehrte er auf seinen Stationen nach Šumperk, Moravská Třebová, Krnov, Nový Jičín, Moravská Ostrava bzw. Šternberk zurück. Oft kam es vor, dass er in einer Saison zwei verschiedene Orte besuchte, denn vor allem die kleineren Städte hatten keine ausreichende Publikumsbasis; so spielte er zum Beispiel 1897/98 vom 15. Oktober bis Ende Februar in Krnov und vom 1. März bis Palmsonntag in Šumperk. Im Sommer wurden die Vorstellungen schlechter besucht, deshalb war die Sommerstation noch kürzer; so eröffnete L. beispielsweise nach dem Ende des Hauptteils der Saison 1906/07 in Šternberk eine Sommerbühne in Hranice und in Hustopeče nad Bečvou. Außer dem nördlichen Teils Mährens und Schlesiens reiste die Gesellschaft auch manchmal nach Südmähren, z. B. Ende 1881 nach Mikulov, in der folgenden Saison 1882/83 nach Mikulov und nach Uherské Hradiště. Im November 1908 besuchte der damals siebzigjährige L. Mikulov erneut und ließ sich offensichtlich dauerhaft hier nieder. Die Gesellschaft wurde von seinem Sohn gleichen Namens übernommen, dieser konnte sie mindestens bis 1938 halten. L. starb in Mikulov am 3.8.1909 an Herzversagen, beigesetzt wurde er auf dem städtischen Friedhof.
Seine Frau, die Schauspielerin Julie (1851–1908) geb. Reitzammer, wurde in Freiburg als Tochter der Schauspielerin Friederike Wilhelmine Reitzammer geboren. Ab 1883 spielte sie in L.s Gesellschaft komische Alte und Mütter. Sie starb im Januar 1908 während eines Halts in Zagreb. Die Kinder Josef, Wilhelm und Ottilie spielten ab frühem Kindesalter in der Gesellschaft ihres Vaters. Zu bestimmten Zeiten gab es dort auch noch weitere Mitglieder mit diesem Familiennamen (Julius Lackner, Alfred Lackner, Tereza Lacknerová, Margaretha Lackner), ihr Familienverhältnis ist jedoch nicht mit Sicherheit festzustellen. Ähnlich ist es im Fall von Georg Lackner, wahrscheinlich war er L.s Bruder, der als Schauspieler in den 60-er Jahren des 19. Jahrhunderts an seiner Seite auftauchte.

Durch sein familiäres Umfeld war L. für das Theater vorbestimmt. Wann er sich von seinen Eltern trennte, ist nicht bekannt. Bei Millers Gesellschaft debütierte er in der Rolle des jungen Händlers Buchheim in Bendix´ Lustspiel Der Vetter (1856). Schauspielerisch wurde er vor allem in städtischen Theatern in Truppen bekannter Theaterdirektoren groß. Nach der Gründung seiner eigenen Gesellschaft verkörperte L. Charakterrollen reifer Helden und Väter und führte bei Schauspielvorstellungen Regie. Jedoch nicht nur; mindestens 1881–83 wirkte bei ihm der spätere Theaterdirektor J. Fink als Regisseur. In Moravská Třebová (1889) war der Schauspieler und Theaterdirektor F. Bill Mitglied von L.s Truppe.

Das Repertoire der Gesellschaft war eher konservativ und ging überwiegend von bewährten Titeln des Vergnügungsgenres aus (Possen, Lustspiele, Singspiele, Parodien, Märchen). Zu oft gespielten Autoren gehörten E. Raupach, Ch. Birch-Pfeiffer, F. Hopp, O. F. Berg oder C. A. Görner. L. führte aber auch anspruchsvollere Titel auf, z. B. Sudermanns Stücke Ehre oder Stein unter Steinen, Ohnet Schauspiel Der Hüttenbesitzer, Brachvogels Narciss oder Halbes Drama Der Strom. Anfangs tauchten im Repertoire der Gesellschaft keine Operetten auf; L.s Söhne Josef und Wilhelm verstanden es jedoch ab der zweiten Hälfte der 90-er Jahre des 19. Jahrhunderts, auf diesen Trend der damaligen Zeit zu reagieren.

Als Theaterdirektor hielt L. die gesamte Zeit über einen zuverlässigen Qualitätsstandard der dargebotenen Produktionen bei, wovon vor allem zeugt, dass er lange in einer Region wirkte. Rechnet man in die Anzahl der Jahre, in denen sich die Familie Lackner im mitteleuropäischen Theaterumfeld bewegte, auch L.s Vater Johann ein, überschreitet das Wirken dieser Familie ein ganzes Jahrhundert.


Stationen von Lackners Gesellschaft

1877 Jihlava?; 1877 Moravská Třebová; 1879 Moravská Ostrava; 1880 Šternberk; 1881 Mikulov; 1881/1882 Moravská Ostrava; 1881/1882 Moravská Třebová; 1882 Břeclav; 1882/1883 Uherské Hradiště; 1883 Mikulov; 1883 Prostějov; 1884 Šumperk; 1884/1885 Šternberk; 1885/1886 Uherské Hradiště; 1885/1886 Šumperk; 1886/1887 Moravská Třebová; 1887/1888 Moravská Třebová; 1889 Šumperk; 1889 Prostějov; 1890 Slavonice, Vranov; 1891/1892 Šternberk; 1893 Moravská Třebová; 1896/1897 Šumperk; 1896/1897 Rýmařov; 1897/1898 Krnov; 1897/1898 Šumperk; 1898/1899 Krnov, 1899/1900 Krnov, Bruntál; 1901/1902 Nový Jičín, Moravská Ostrava, Přívoz; 1903/1904 Lázně Jeseník, Šumperk, Lipová-lázně; 1904/1905 Frýdek, Místek, Sommerbühne Skoczów, Ustroň, Jaworze; 1905/1906 Frýdek, Hranice; 1906 Šumperk; 1906/1907 Šternberk, Sommerbühne in Hranice und Hustopeče nad Bečvou; 1907 Šumperk; 1908 Zábřeh, Mikulov

Quellen

Linz, rk. Diözese (Oberösterreich), Ebensee (Langbath), Sig. 106/1839, Taufen 1839 (Geburt J. Lackners). [online, zit. 1. 9. 2018], URL: http://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/oberoesterreich/ebensee-langbath/106%252F1839/?pg=35

MZA Brno: Matrikelsammlung, Mikulov – St. Wenzel, Verstorbene 1870–1918 (Ableben J. Lackners), URL: http://actapublica.eu/matriky/brno/prohlizec/237/?strana=289 

ZA Opava: Matrikelsammlung, Verstorbenenmatrikel, I–Z, Inv.-Nr. 10090, Sig. Zá I 31, 1897–1909 (Ableben Julie Lackners), [online, zit. 14. 9. 2018], URL: http://digi.archives.cz/da/permalink?xid=be98c9ae–f13c–102f–8255–0050568c0263&scan=77;

Geburtenmatrikel, N I–N, Inv.-Nr. 3172, Sig. Je III 34, 1875–1900, Jeseník–Stadt 091 (Geburt Wilhelm Lackners), [online, zit. 16. 9. 2018], URL: http://digi.archives.cz/da/permalink?xid=be898002–f13c–102f–8255–0050568c0263&scan=91#scan90; Verstorbenenmatrikel, Z, Inv.-Nr. 10788, Sig. F IV 33, 1893–1931, Fryštát 202 (Ableben Wilhelm Lackners), [online, zit. 16. 9. 2018], URL: http://digi.archives.cz/da/permalink?xid=dd4acd7737c68136:–c174e0a:12547fc3595:–6d52&scan=202#scan201

SOkA Znojmo: Katalog der Registratur der Stadt Znojmo 1665–1918, Inv.-Nr. XVII., Kart.-Nr. 309. (Zettel von Lackners Theatergesellschaft aus Šternberk von 1884.)

Literatur

Deutscher Bühnen-Almanach (Berlin) 1856, T. 1, S. 145–146; 1860, T. 1, S. 392 (J. Lackner und G. Lackner in Opava); 1861, T. 1, S. 392 (J. Lackner und G. Lackner in Salzburg und Bad Ischl); 1865, T. 2, S. 213–214 (J. Lackner und G. Lackner in der Gesellschaft von J. Bockshorn in Halle und Brixen); 1866, T. 2, S. 80 (J. Lackner und G. Lackner in der Gesellschaft von J. Bockshorn in Halle und Brixen); 1868, T. 2, S. 132–133; 1871 (J. Lackner und G. Lackner verlassen die Gesellschaft von Bockshorn), T. 2, S. 152 (nicht näher bestimmter Lackner in Jihlava); 1882, T. 2, S. 513–514; 1883, T. 2, S. 427–248; 1884, T. 2, 293–294; Ferdinand Roeder's Theater-Kalender (Berlin) 1874, S. 43; Neutitscheiner Wochenblatt für Stadt und Land. Nový Jičín 4, Nr. 43, 28. 10. 1877, S. 4; Brünner Morgenpost 10. 3. 1882 (Aufenthalt der Truppe in Břeclav); Mährisch-Trübauer Wochenblatt (Moravská Třebová) 2, Nr. 17, 29. 4. 1877, S. 3; 5, Nr. 2., 7. 1. 1888, s. 4 (F. Bill); Nordmährische Rundschau: deutsch-politische Zeitschrift für Stadt und Land (Uničov) 2, Nr. 48. 2. 12. 1889, S. 3; 11, Nr. 13, 29. 3. 1908, S. 4; 12, Nr. 3, 17. 1. 1909, S. 4 (Anfang Januar 1909: Gesellschaft in Uničov, wahrscheinlich bereits unter der Leitung von Lackners Sohn Josef); 19, Nr. 7. 13. 2. 1916, S. 6 (Nachricht vom plötzlichen Ableben Wilhelm Lackners); Neuer Theater-Almanach 1891, S. 453–454; 1897, S. 479–480; 1898, S. 410; 1902, S. 471; 1905, S. 400; 1906, S. 763–764; 1895, S. 439; Wochenblatt für Mährisch-Trübau und Zwittau sammt Umgebung (Moravská Třebová) 23, Nr. 31, 23. 5. 1900, S. 2. (Bricht über den Selbstmord eines gewissen Thesterdirektors Josef Lackner in Moravská Třebová, die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den beiden Josefs lassen sich nicht bestimmen) ● Ableben und Nachrufe: Nikolsburger Wochenschrift 32, Nr. 49–50, 7. 8. 1909, S. 1.; Deutsches Volksblatt für Mähren und Schlesien (Šternberk), 1909, Nr. 63, S. 9 ● M. Havlíčková – S. Pracná – J. Štefanides: Německojazyčné divadlo na Moravě a ve Slezsku 2/3 [Das deutschsprachige Theater in Mähren und in Schlesien 2/3], Olomouc 2013, S. 146, 215, 217, 218, 226–228, 234, 239.

Kosch Th, Ulrich (Julie Lackner)

Lebensereignisse

  • 12. 11. 1839: Geburt, Ebensee (A)
  • 3. 8. 1909: Tod, Mikulov (CZ)

Andere Namen

Lakner


Bildung: 2019

Autor: Miroslav Lukáš